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NÄCHSTE RUNDE Aber dann ist ihm die Idee gekommen, daß er ja einen guten Vorsatz fassen könnte, zum Beispiel den, sich einen Job zu suchen. Da bräuchte er bloß den dicken Kerl anrufen, der ihm schon seit Monaten anbietet, als Klatschreporter bei seinem Szene-Heftl einzusteigen. Nach dem zweiundzwanzigsten Tüten ist ein unentschlossenes Würgen und Husten ertönt, und der Jackie hat gefragt: "Na, schon gute Vorsätze gefaßt?" - "Klar! Nie mehr Insolvenz anmelden, hahaha!" hat die vertraute Stimme gedröhnt, aber dann hat der dicke Kerl gemeint, der Jackie solle ihm nicht mit diesem Gewissenszeug kommen, er müsse schließlich auch von irgendwas leben; und schon hat er wieder aufgelegt gehabt. "Wie meinst jetzt du das mit einem guten Vorsatz?" hat als nächste die Jacqueline gefragt und gesagt, wenn das wieder so eine Idee mit eingeölten Bürstenkondomen oder so was sei, dafür könne er sich eine andere Schnecke suchen. Da hat der Jackie kalte Füße gekriegt, aber nicht wegen irgend was und trallala, sondern bloß weil er immer noch in der Pizza gestanden ist. Die Violetta, die der Jackie sonst generell nicht anruft, weil der Hubsi gemeint hat, daß die sowieso lesbisch ist, was die Jacqueline aber schon damals nicht geglaubt hat, als die Violetta noch mit dem Hubsi zusammen war, und jetzt erst recht nicht, die hat noch gar nicht richtig sprechen können und ihn am Telephon natürlich auch nicht erkannt, und am Ende hat sie dann geröchelt, er solle ihr noch einen Absinth bringen und in Herrgottsnamen bitteschön endlich den Aschenbecher ausleeren und sie möchte dann zahlen. Der Hubsi hat gesagt, daß gute Vorsätze schwul sind und ob er schon gehört habe, daß der Moshammer mit seinem Hund zu einer Spezialklinik im Tessin unterwegs ist, weil er, also der Hund, beim Gassigehen einen aufgeweichten Chinaböller verschluckt hat, und daß die Christiane zu Salm auf der Weihnachtsgala von der Ohoven drei ganze Hummer geklaut hat, in ihrer Handtasche! obwohl er das Letztere nicht genau wisse, weil er selber nicht dabei war, bloß der Helli, der ja ein notorischer Lügner und in Wirklichkeit von seinen Eltern enterbt worden sei und seit seinem Auftritt bei Gibson, Dunn & Crutcher überall Hausverbot habe, sogar in der Sieben, aber dafür habe er erfahren, daß der Robbie Williams die alte Wohnung von der Barbara Valentin kaufen will, weil er demnächst einen Queen-Song aufnimmt, und das Ganze könne er ihm aber bei einem steifen Grog im Café Schwabing viel besser erzählen. Das sind dann ein paar mehr Grogs geworden, und weil die so gezuckert waren, haben der Hubsi und der Jackie noch ein paar Weißbier hinterhergezischt; dann ist der dicke Kerl von dem Szene-Heftl reingeschneit und hat was von einer Secret-Party bei der Gräfin Frack zu Sausen erzählt, und das letzte, was der Jackie noch weiß, war, daß der Hubsi gelacht hat wie ein alter Ferrari und immer "Sekret-Party!" gebrüllt hat und daß er selber, wie er später irgendwo die Kellertreppe hinuntergeflogen ist, sich gedacht hat: Es ist ja eh wurscht, die Alten rufen ja erst nächstes Jahr wieder an. e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer |
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