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VERKEHRSBEUNRUHIGUNG
Sofort ist er hinausgestürmt und hat gesagt: "Bin schon da, nichts passiert!", aber da war es schon passiert. Die Politesse, die ihm kaum bis an die Gürtelschnalle hinaufreichte, gab ihm den fertigen Strafzettel, den der Jackie sofort zerknüllt und weggeworfen hat. Nicht direkt weg allerdings, sondern auf die Politesse, der er außerdem mitteilte, sie könne ihm den Buckel hinunterrutschen, sie sei eine dumme Sau und ob er sein Auto vielleicht in die Hosentasche stecken solle beim Einkaufen. Das nicht, hat die Politesse gesagt, aber er könne seinen Ton mäßigen, und es sei nun einmal so, daß hier eine Kreuzung sei, wo die Trambahn abbiege und Fußgänger und Autos und ... Er pfeife auf Fußgänger und Trambahnen, hat der Jackie gesagt, und ob sie vielleicht aus der DDR sei, und sie solle sich in dem Fall wieder dorthin schleichen und ansonsten aber insgesamt auch. Obwohl der Jackie vorher schon zwei Maß Bier getrunken gehabt hat, hat er, ohne die Politesse weiter zu beachten, sich ins Auto gesetzt und ist weggefahren, allerdings nicht weit, weil er nicht bemerkt hat, daß die Trambahnschienen herausgerissen und die ganze Belgradstraße eine Baustelle war. Es hat arg gerumpelt, wie der Jackie in den frisch betonierten Schienenstreifen hineingerasselt ist, dann ist das Auto stehengeblieben. Der Jackie war so sauer, daß er sich zu Fuß gleich noch eine Maß Bier gekauft hat. Dann ist ihm eingefallen, daß sein Auto immer noch in der Baustelle steht und daß es besser wäre, wenn es da niemand findet. Jetzt hat er sich aber nicht mehr fahrtüchtig gefühlt und ist deshalb losgezogen, um den Hubsi zu suchen, damit er ihm hilft, weil er schließlich an dem ganzen Malheur irgendwie schuld war. Der Hubsi war weder in dem Schuppen in der Marktstraße noch im Cocktailhouse noch beim Renato aufzutreiben; in der Schwabinger Sieben hieß es, er sei gerade gegangen, und im Café Schwabing hat der Jackie dann den dicken Kerl von dem Event-Magazin getroffen und ihm sein Leid geklagt. Der dicke Kerl hat gesagt, das sei alles Mist, er solle sein Auto einfach stehenlassen und behaupten, es sei gestohlen worden. Dann könne er für sein Event-Magazin gleich einen kleinen Artikel über den Skandal schreiben: "Autos von Szene-People gezielt nach Polen verschoben?" Allerdings sei er jetzt gar nicht mehr Herausgeber des Event-Magazins, weil er bei der letzten Insolvenz einen kleinen Fehler mit der Lohnsteuer gemacht und die Firma daraufhin seiner Freundin überschreiben habe müssen. Das sei aber auch alles egal, der Jackie solle sich nicht so haben, sondern lieber noch einen Cocktail zischen. Das hat der Jackie auch getan. Der dicke Kerl hat zwei Pizzas verdrückt, dann sind sie weitergezogen auf ein Fest in eine Halle, wo der Jackie drei Freigetränke bekommen und auf dem Klo den Hubsi getroffen hat. Da haben beide gelacht, zur Versöhnung eine Red-Bull-Wodka-Maß getrunken und sind dann los, um das Auto vom Jackie aus der Baustelle herauszuholen. Wie sie in die Belgradstraße gekommen sind, war zwar die Baustelle noch da, aber das Auto weg. Es war wahrscheinlich nicht die beste Idee, daß der Jackie und der Hubsi danach mit dem Taxi aufs Polizeirevier gefahren sind und dort angegeben haben, eine Bande polnischer Heroindealer hätte ihnen unter Androhung des Einsatzes von Schußwaffen das Auto gestohlen. Meint zumindest die Jacqueline; aber was weiß die schon, sie war ja nicht dabei und kann überhaupt nicht ermessen, wie leicht man in so etwas hineingerät. e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer |
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