
INHALT
8 - Kekse und Kassettenrekorder
11 - Wolken und Jahre
12 - Fenster und Bilder
13 - Zäune und Duschen
14 - Natur und Scheiße
15 - Wackeln und Weggehen
Junger Unfug |
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JUNGER UNFUG 15 - Wackeln und Weggehen Mit elf Jahren beschloß ich, es sei nun an der Zeit, wegzugehen. Das hatte auch damit zu tun, daß der Freund meiner Mutter abends immer häufiger in einem Zustand heimkam, von dem er am nächsten Tag, wenn überhaupt, höchstens verschmitzt einräumte, er habe »gewackelt«. Wenn er wackelte, war der Freund meiner Mutter nicht zu ertragen. Er stellte dann jede Frage viermal, und wenn er die Antwort nach dem vierten Mal noch nicht verstanden hatte, stellte er sie nach einer Pause noch mal oder sagte Dinge zu meiner Mutter wie: Sie solle nicht das Spinnen anfangen, das sei ein ganz normaler Schnee; und wenn meine Mutter sagte, im Fernseher hätten sie etwas anderes gesagt als er, dann sagte er notfalls, er sei selbst jahrelang ein Fernseher gewesen, und das war das Ende der Diskussion. Als ich beschloß, wegzugehen, war es kalt und neblig. Ich zog meinen Parka an, steckte mein Tagebuch, einen kleinen grünen Rido-Merker, in die Jackentasche und ging hinunter in den Hof, wo wieder mal niemand war. Dort saß ich eine Zeitlang auf der Bank und überlegte, wie schlimm alles war. Dann ging ich zu einer Fabrik ein paar Häuser weiter, suchte in den Aschentonnen nach einer großen Kiste, trug sie in einem Garageneingang die Treppe hinunter und setzte mich hinein. Mein erster Tag allein, dachte ich, aber da ging hinter mir die Tür auf, zwei Männer kamen aus der Garage und sagten, was ich hier verloren habe, und ich solle machen, daß ich weiterkomme. Also ging ich wieder nach Hause und hoffte, der Freund meiner Mutter würde an diesem Abend nicht wackeln. --- Ende des ersten Teils ---
e-mail:michaelsailer | impressum | © Michael Sailer |
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