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Blam!

... war eine Fernsehserie, die ab Oktober 1985 in 13 Folgen in den Regionalprogrammen der ARD lief. Laut Presseinfo ging es um folgendes:

»Ein Mädchen und vier Jungens machen Popmusik. Die Band will einen Hit haben, hoch in den Hitlisten und ständig im Radio. Dann wären sie reich und berühmt, und – besonders wichtig für die Jungens – auf diese Weise könnten sie endlich Schnitte bei den Mädchen machen. Außerdem mögen sie Musik, ihre eigene mehr als andere. Am liebsten würden sie jeden Abend auf der Bühne stehen und spielen, und das Publikum tobt ... Aber bis jetzt ist das noch nicht passiert, und bis jetzt sieht es auch nicht gut aus für ihre Karriere. Das ist der Haken – und das Spannende. Sie denken sich immer neue Sachen aus, um da rauszukommen, geraten in absurde Situationen, halsen sich jede Menge Schwierigkeiten auf, schaffen es ein Stück, werden reingelegt und fallen wieder zurück. Aber nach jedem Reinfall stehen sie wieder auf, und nächste Woche, wenn ihnen was Neues eingefallen ist, dann werden sie sicher mehr Glück haben. Davon gehen sie aus, und das hofft der Fernsehzuschauer. BLAM! heißt diese fünfköpfige Popgruppe, die sich auf dem Weg zum Startum und zu Ruhm, Geld und schönen Geliebten befindet – immerzu ...«

So waren sie, die Achtziger. Oder: so waren sie auch. Nämlich nicht unentscheidend geprägt von Leuten, deren Jugendkultur samt Jugend schon ein paar Jahre zurücklag und die nun meinten, das, was damals nicht recht was geworden war (oder was sie nur aus der dritten Reihe verfolgen hatten dürfen), sei immer noch superaktuell und nun seien sie dran, es endlich so umzusetzen, daß es jeder glaubt. Und andererseits gab es damals und gibt es immer jede Menge Leute, die auf solche Leute angewiesen sind. Auf Ältere, denen sie natürlicherweise in einem Wechselspiel aus Vertrauen und Widerspruch (nach)folgen. Wenn die Älteren glauben, sie wüßten besser, was Jugend ist und heißt und bedeutet, müßte der Widerspruch lauter sein als das Vertrauen, aber es waren halt die Achtziger, und zuviel nachdenken sollte man darüber vielleicht auch nicht.

Das Vorbild für »Blam!« lieferten, zumindest irgendwie, »The Monkees«, eine reichlich geniale US-Serie resp. Band, die wiederum auf den Beatles und ihren Filmen mit Richard Lester irgendwie beruhten (aber in fast jeder Hinsicht weit darüber hinausgingen). Die Umsetzung der Vorgaben bei »Blam!« war, um das mindeste zu sagen, ein bißchen unentschieden und schwammig, was mehrere Gründe hatte. Erstens war dies das deutsche Fernsehen der Vor-Privat-TV-Zeit, gegen dessen Programmverantwortliche nun mal nur durchzusetzen war (und ist), was sich an bestimmte Regeln hält (was damals zu einem enormen Anteil an Biederkeit führte und heute zu anderen Auswüchsen führt, die auch zumindest nicht besser sind). Zweitens waren die Darsteller zum allergrößten Teil Laien, mit einem gewissen Talent (mal mehr, mal weniger, in meinem Fall wahrscheinlich am wenigsten) zwar, oder sagen wir: mit gewissen Talenten, aber auch mit gewissen Defiziten, die durch die Inszenierung nicht unbedingt abgeschwächt wurden (um wiederum das mindeste zu sagen). Drittens spielte die Realität dessen, was dargestellt werden sollte (junge Leute im Musikgeschäft) praktisch keine Rolle, was gute und schlechte Folgen hatte: zu den schlechten gehört die Klischeehaftigkeit vieler Situationen und Erzählstränge; da wäre, gerade angesichts der Besetzung (die Hauptdarsteller kamen alle aus dem Milieu, um das es ging), ein großes Potential an Witz und Irrsinn gewesen, das nicht ausgeschöpft wurde. Viertens waren die Drehbücher etwas matt und lau, die Geschichten mit relativ wenig Spannung und erzählerischer, na ja, sagen wir: Tiefe ausgestattet. Und fünftens waren sie aufgrund aktueller Moden wie der Esoterik-Welle teilweise überfrachtet mit undurchsichtigem Humbug. Usw.

Trotzdem oder (teilweise) gerade deshalb ist »Blam!« erstaunlich gut gealtert. Na gut, vielleicht sieht man als Beteiligter mit größerem Abstand die Peinlichkeiten weniger genau, vielleicht ist auch die aktuelle »Konkurrenz« zu schlecht - mag sein. Die Zahl der Leute, die sich daran erinnern und dabei ein wohliges Gefühl oder wenigstens eine nostalgische Befremdung empfinden, steigt langsam und stetig. Meine Wette, daß »Blam!« zu den wenigen Elaboraten der TV-Maschine gehören wird, die niemals wiederholt werden, steht aber immer noch. Vielleicht sitzt in irgendeinem der entsprechenden Betonwürfelbüros jemand herum, der mich diesbezüglich unbedingt wiederlegen möchte?

Vorläufig muß die ungefähre Nacherzählung genügen. Ich bin leider nur noch im Besitz von drei Originaldrehbüchern zur Serie und vier Folgen auf Video, werde aber mal versuchen, mich an die Geschichten zu erinnern, so gut es geht (für die richtige Reihenfolge kann ich nicht garantieren, für inhaltliche Stringenz sowieso nicht). (Und inzwischen - März 2006 - muß ich mich korrigieren: Vor mir liegen drei DVDs mit allen Folgen, für die ich der lieben Britta zu höchstem Dank verpflichtet bin.)

Was aus den vor und hinter der Kamera Beteiligten geworden ist, kann ich nur teilweise mitteilen: Sebastian Deutschmann (Panda) lebt in München, ist nach wie vor Musiker und ruft leider viel zu selten an (und ich rufe ihn leider auch viel zu selten an); Jürgen Tonkel (Bruno) ist tatsächlich ein richtiger Schauspieler geworden und immer mal wieder im Fernsehen und im Theater zu sehen; Sigi Hümmer (Terry) ist, wenn ich richtig informiert bin, momentan dabei, sich als Biobauer in Franken selbst zu finden (und ruft deshalb gar nicht mehr an); von Sissy Kelling (Lilli) habe ich lange Zeit gar nichts mehr gehört und inzwischen immerhin ein bißchen was. Regisseurin Gloria Behrens ist wohl immer noch Regisseurin, Näheres weiß ich aber nicht. Wer mehr weiß (auch zu anderen), melde sich.

Oh, dies noch: Die Bilder auf dieser und den folgenden Seiten (von denen einige noch ganz bildfrei sind, was sich aber bald oder irgendwann ändert!) sind entweder offizielle Pressephotos (die meisten, wenn ich recht erinnere, von Jan Behrens) oder aus meinem Privatbesitz (dann auch selbstgemacht) bzw. aus den Folgen selbst. Wenn irgend jemand aus irgendeinem Grund meint, es werde da ein Copyright oder Persönlichkeitsrechte verletzt, bitte ich dringend um Mitteilung.

Und ein weiteres PS bzw. ein lustiger Fund, der zeigt, daß nicht alles an Blam! ganz neu und frei erfunden war: das linke Bild zeigt einen Ausschnitt aus einem "Sounds"-Heft von 1971, das rechte das Blam!-Logo:


e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer