
![]() |
|
| hier & jetzt | was passiert? | leben und lügen | gedruckt | lesen! | alles mögliche | dann mal schauen | andere sprechen | brief | |
|
Über Musik: Schallplatten, Menschen und anderes Ich bin zum Musikjournalismus gekommen wie die jungfräuliche Mutter zur Anstellung als Kindergärtnerin. Eigentlich wollte ich Musiker werden - bin ich auch geworden, aber weil das außer mir kaum jemanden groß gekümmert hat, mußte Geld von anderswo herkommen. Außerdem war ich schon als Vor-Teenager in der Grundschule ein leidenschaftlicher Leser von Musikzeitschriften und habe sogar über die zweiwöchentlichen Huldigungen meiner Lieblingsbands Slade, T.Rex und Alice Cooper hinaus so gerne in dem legendären Posterheftchen POP geblättert und geschmökert, daß das Schreiben sehr früh auf Platz zwei meiner Berufswünsche landete. Dann wurde es aber doch ein recht langer Weg dahin. Ende der 70er Jahre (inzwischen war ich ein richtiger Teenager) verfaßte ich für eine Art Schülerzeitung erste Texte (die nicht selten auf Vorlagen aus MUSIKEXPRESS und SOUNDS beruhten) und Ende der 80er für das kurzlebige Magazin NETWORK PRESS einige Proberezensionen, die jedoch abgelehnt wurden, weil sie zu »schwierig« und zuwenig am Leitsatz der Produktempfehlung orientiert waren. 1992 war ich mit meiner Band bei einem kleinen Label aus dem Münchner Umland unter Vertrag. Weil die Verkäufe unserer Platten sehr spärlich waren (und blieben) und ich wußte, daß einer der Inhaber des Labels Redakteur beim WOM JOURNAL war, fragte ich an, ob ich mir nicht mit ein paar Kritiken ein kleines Zubrot verdienen könne. Ich konnte; ein knappes Jahr später war ich Redakteur, schrieb einen Großteil der Rezensionen im Heft und reiste auch sehr bald sehr oft in der Welt herum, um werdende, seiende und gewesene "Stars" zu treffen und von diesen Treffen zu berichten. Viele dieser Begegnungen sind mir sehr deutlich im Gedächtnis geblieben, obwohl sie manchmal nur Viertelstunden dauerten. Andere versanken schon auf dem Rückflug so rapide im Nebel der Belanglosigkeit, daß ich die Geschichten fertighaben mußte, wenn ich aus der S-Bahn stieg, weil sonst gar nichts mehr zu schreiben gewesen wäre, oder etwas ganz anderes. Was mich beeindruckte, prägte oder langweilte, war nicht nur das, was die Leute sagten und taten, gestikulierten und spielten, wenn sie mir in Hotelzimmern, in Garderoben oder auf der Bühne gegenübersaßen und -standen oder auch nur aus Lautsprecherboxen heraus Kontakt mit mir aufnahmen; Popmusik ist mehr als Popmusik. Eigene Gedanken, der Geruch der Straßen in einer fremden Stadt, Kleidung und Sprache und alles mögliche mehr vermischt sich in seltenen Glücksfällen zu einer Aura, die man dann gerne dem jeweiligen "Star" selbst zuschreiben möchte, um der Anstrengung der Analyse aus dem Weg zu gehen. Ich bin dieser Anstrengung oft aus dem Weg gegangen und habe deshalb das, was von den Geschichten schließlich gedruckt (und dafür fast immer noch mal heftig gekürzt) im WOM JOURNAL, im MUSIKEXPRESS, ROLLING STONE und in anderen Heften stand, später um eine ganze Reihe von Zeilen und Kommentaren und sonstigen Sachen erweitert und oft auch umgeschrieben. Nützlich und schön zu lesen ist es hoffentlich trotzdem. Sieben Jahre lang habe ich einen Großteil meiner Zeit damit verbracht, über Musik zu schreiben. Dann sind andere Dinge, die bis dahin Nebensachen waren (wenn man das "beruflich" betrachtet), wichtiger geworden, was auch daran lag, daß kaum mehr jemand das drucken mochte, was ich über Musik schrieb (oder geschrieben hätte). Aufträge bekam ich nur noch sehr selten, und dann war es meistens Musik von Leuten, die ich seit vielen Jahren kenne und schon oft »besprochen« habe; das schmälert die Freude sehr, denn das schönste am Über-Musik-Schreiben ist es, wenn einem jemand (zum Beispiel der Postbote) einen Stapel Platten auf den Tisch legt und man selbst entscheiden darf, was man daraus macht. Aber wichtig ist die Musik natürlich weiterhin, zumal ich seit Sommer 2003 für den Musikexpress als Redakteur tätig sein darf und dadurch auch ab und zu wieder mitkriege, was passiert. Und darüber schreiben kann, ob es dann gedruckt wird oder nicht. Was auf diesen Seiten steht, ist selbstverständlich nicht alles, was ich je über Musik geschrieben habe, sondern bloß eine kleine Auswahl von Sachen, die sich möglicherweise auch nach den Jahren, die seitdem vergangen sind, noch zu lesen lohnen. Momentan ist die Auswahl noch viel viel kleiner, weil die meisten Sachen einfach noch fehlen; das wird dann noch mehr. Mit größter Sicherheit habe ich mich bei den Plattenkritiken oft zu weit aus dem Fenster gelehnt; manchmal ist mir meine Begeisterung im nachhinein nur schwer oder gar nicht erklärlich, manchmal auch ein bißchen peinlich, und andersherum ebenso, und die eine oder andere arg seltsame Formulierung erklärt sich vielleicht auch aus dem Umfeld, in dem sie gedruckt wurde (oder durch ihr Alter, ähem). Aber so war das eben damals; ich habe keine Lust und es hätte auch keinen Zweck, solche Sachen nachträglich um- oder neu zu schreiben. Das wäre ja auch bloß wieder momentan richtig. Wo und wann die Texte ursprünglich erschienen sind, steht (wenn ich es noch weiß) bei den Platten jeweils am unteren Ende (aber bitte nicht »akribisch« nachprüfen; es kann auch mal einen Monat oder zwei früher oder später gewesen sein, und bei vielen Sachen weiß ich sowieso nur noch, wann ich sie geschrieben habe), bei den restlichen Sachen in einem Kästchen rechts. e-mail:michael sailer | impressum | © Michael Sailer |
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||